Sepp der Sklaventreiber

Die FIFA ist zum Wahrzeichen einer westlichen Dekadenz geworden, die sich gerne weltoffen und integrativ gibt, tatsächlich aber den Hunger nach Anerkennung und Reichtum mancher Nationen schamlos ausnutzt. Nelson Mandelas Vision, die Überbrückung jedweder Differenzen durch den Sport, ist heute zur hohlen Marketingphrase geworden. Schade eigentlich, denn tatsächlich läge im Sport ein enormes Potential, das Einheit fördern und Menschen einander näher bringen könnte. Aber um den Sport geht es ja auch gar nicht mehr. Es geht um Tickets, um Einschaltquoten, um Kleider, um Games, um Panini-Hefte etc. Es geht um das Drumherum. Der Sport ist bloss noch Mittel zum Zweck, der runde Ball das geeignete Narkotikum. Und die Gemeinschaft der Menschen, eigentlich doch das implizite Ziel des Sports, wird dem Gewinnstreben untergeordnet. Dafür verrecken Tausende im Dreck, in der Armut, der unerträglichen Hitze – etwa in Katar.

Die Kinder der FIFA sind nicht vereinte Völker im Fussballfieber, sondern dahinsiechende Sklaven. Mütter verlieren ihre Söhne, Frauen ihre Männer, Kinder ihre Väter – und ganze Generationen verlieren ihre Existenzgrundlage und stehen mehr schlecht als recht vor dem Nichts. Die Welt schaut weg. Sie schaut lieber auf das Runde, das dann in das Eckige muss. Im Jubel der Tore gehen die Todesschreie der Sklaven unter. Wenn man dann liest und hört, wie die FIFA aus bequemen Sesseln heraus durchaus betroffen die Verantwortung von sich weist, bleibt einem das Lachen im Halse stecken. Man braucht kein Genie zu sein, um vorauszusehen, was geschieht, wenn man die Weltmeisterschaft an Länder wie Katar vergibt. Die leichtfertige Vergabe hat unmittelbare Konsequenzen für abertausende Männer, Frauen und Kinder. Sie besiegelt den Tod von Unschuldigen.

Die FIFA hat die Verantwortung, ob ihr das passt oder nicht. Aber auch wir haben diese Verantwortung. Indem wir Tickets kaufen, uns Kleider zulegen, Games spielen, die Panini-Hefte füllen oder auch einfach nur den Fernseher einschalten, legitimieren wir indirekt das imperialistische Gebaren von Blatters autonomer Geldmaschine. Denn in diesen Tagen gilt: Erfolg gibt Recht. Wenn wir aber das französische „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit“ ebenso ernst nehmen wie das helvetische „Einer für alle und alle für einen“, sind wir gefordert, hier Konsequenzen zu ziehen. Dabei darf es uns ebenso wenig um das „gute Image des Fussballs“ gehen wie um unsere europäischen, christlichen oder wie auch immer gefüllten Werte. Beides hat sein Recht. Zunächst muss es uns jedoch kompromisslos um Menschenleben gehen und darum, dass so etwas verdammt noch mal nicht passieren darf. Umso tragischer wird die Angelegenheit, wenn man sich bewusst macht, dass das alles nicht sein müsste, dass man hier durchaus präventiv reagieren könnte. Und doch geschieht es. Ein Land, das seine Nationalmannschaft an eine WM der FIFA schickt, heisst direkt Sklavenhandel gut. Das Einschalten des Fernsehers gibt dem Verein indirekt die Grundlage, in derselben Verantwortungslosigkeit weiterzufahren. Da es bei Herrn Blatters FIFA nur noch um die Kohle geht, sollten wir ihn auch an seinem ‚Geldsäckel‘ packen. Gemeinsam, ganz in dem Geist, der dem Fussball eigentlich zugrunde liegt.

18. Mai 2015

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