Nachricht aus Bern: #brefbejuso

Ein wenig musste ich an Hanns Dieter Hüschs «Religiöse Nachricht» denken, als gestern Abend die Nachricht durch das Netz strömte, die reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn seien aus den reformierten Medien ausgetreten. «Ist doch gar nicht möglich! Eine Kirche ohne Medien?», werden sich einige gedacht haben. Andere werden den Austritt eher als «unmöglich» bewertet haben. Über die Gründe können wir nur spekulieren. Spekulieren und hoffen, dass die Oberen und Mächtigen der Kirche sich erklären.

Immerhin, Bern hat mit «Ensemble» ein eigenes Magazin. Wobei «ensemble – zusammen» in diesem Fall primär für Bern gelten dürfte. Damit soll nichts Schlechtes über das altenbergische Hausmagazin gesagt werden. Mir gefällt’s und es erfüllt seinen Sinn und Zweck. Aber dieser Sinn und Zweck scheint mir nicht der eines kritischen Blicks von aussen zu sein. Gerade das braucht jedoch eine Kirche, die visionär in die Zukunft schreiten will. Wir können uns nicht das reformierte Wächteramt auf die Fahnen schreiben und gleichzeitig unsere eigenen Wächter vor die Tür stellen.

Aber genau das sind die reformierten Medien: Unsere Wächter. In ihrer Arbeit wahren sie eine wohltuende, kritische Distanz zu den Schweizer Landeskirchen. Sie schauen uns aus allen möglichen Perspektiven auf die Finger. Das kann mal weh tun und mal stolz machen. Da gibt es Grund zur Uneinigkeit und Grund zur Zustimmung. Nicht alles, was im bref-Magazin steht und längst nicht jedes Wort zum Sonntag erntet von mir frenetischen Beifall. Genauso wie die Kirchen in ihrem Wächteramt dazu berufen sind, bei unrechtem Handeln des Staates den Finger in die Wunde zu legen, braucht auch die Kirche ihre unabhängigen Wächter.

Eben noch hat die RefBeJuSo in Bern feierlich ihre Vision 21 verabschiedet. Ein Satz daraus lautet: «Vielfältig glauben – Profil zeigen.» Bei allem Ringen und Reiben ist es gerade diese Vielfalt, die ich an unseren Landeskirchen schätze. Unter dem Dach der reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn tummeln sich unzählige Gottesbilder und Glaubensverständnisse. Auf diesen Tummelplatz gehören für mich auch die reformierten Medien. Weil sie Vielfalt sichtbar machen – weit über die Grenzen des reformierten Tellerrands hinaus. Weil sie Profile offenlegen – was unsere Kanten schärft und den Horizont erweitert. Weil sie die Debatte suchen und fördern – was zur Klärung der eigenen Position beiträgt.

Die reformierten Medien sind damit ein unverzichtbares Werkzeug – innen wie aussen. Wie oft konnte ich schon einige meiner kirchendistanzierten Freunde dank Artikeln aus dem bref-Magazin für Themen des kirchlichen Lebens begeistern? Wie oft wurde mir selbst schon durch Beiträge der Spiegel vorgehalten?

In der Kirche wird gerne das johanneische Bonmot «Der Wind weht, wo er will» bemüht. Das gilt offenbar nur, solange er einem nicht mitten ins Gesicht weht. Und damit wird die Frage eines Austritts aus den reformierten Medien für mich auch eine theologische Frage. Wie viel Offenheit wollen wir dem Wind, dem Wirken der Geistkraft zugestehen? Wollen wir ihr Wirken auch dort erbitten, erhoffen und erstreiten, wo wir nicht gleicher Meinung sind? Oder um es mit einem Zitat von Evelyn Beatrice Hall zu sagen: «Ich missbillige, was Sie sagen, aber ich werde bis zum Tod Ihr Recht verteidigen, es zu sagen.»

P.S. – Natürlich liesse sich auf den Austritt der RefBeJuSo auch anders reagieren. Etwa im Sinne Hanns Dieter Hüschs: „Gott sei Dank! Endlich sind wir frei. Kommt, wir nutzen das.“

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