2018 – Geschüttelt und gerührt

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Das erste Jahr im Pfarramt hat uns gehörig durchgeschüttelt. Eben noch waren wir zwei einfache Studenten, die ihr bescheidenes Dasein in einer viel zu kleinen Wohnung fristeten, und im nächsten Moment residierten wir im herrschaftlichen Pfarrhaus in Krauchthal. Und mit dem grossen Haus kamen in diesem Jahr auch unzählige grosse wie auch kleine Aufgaben auf uns zu. Manche von ihnen waren sichtbar und somit dem Urteil der Gemeinde ausgeliefert, andere erledigten wir eher im Hintergrund – dann, wenn die meisten dachten, dass wir gerade blau machen.

Es wäre gelogen, wenn wir sagen würden, dass uns die Bürde des Amts in diesem ersten Jahr nicht manchmal schwer auf dem Magen lag. Denn längst nicht alles ist uns gelungen und auch manche Erwartungen haben wir zu spüren bekommen. Nicht alle konnten wir erfüllen, auch das haben wir gespürt. Die Namen beispielsweise sitzen auch nach einem Jahr noch nicht. Führten wir zu Beginn noch Listen, haben wir das aus Zeitgründen bald einmal aufgegeben.

Denn Zeit war das, was uns 2018 am meisten fehlte. Zeit, um Ideen zu verwirklichen, Zeit, um Menschen zu begegnen und im Austausch zu sein. Das war für uns die grosse Ernüchterung im ausgehenden Jahr. Wir hätten gerne mehr gemacht. Wir wären gerne mehr draussen, mehr bei Euch gewesen. Aber bei einem wachsenden Bürokratieaufwand und rund 1’700 Reformierten in der Kirchgemeinde kann sich wohl jeder selbst ausrechnen, wie realistisch das ist.

Zeit fehlte uns nicht nur für das Amt, sondern auch für uns selbst. Die Menschen, die 2018 wohl am wenigsten von uns hatten, waren unsere Freunde, unsere Familie. Ihnen gebührt ein grosser Dank, denn sie stecken viel zurück, damit andere mehr bekommen können.

Gerührt haben uns in diesem Jahr die vielen Abschiede, die wir in der Gemeinde nehmen mussten. Es ist für uns bei jedem Trauerfall eine grosse Ehre, den Verstorbenen noch einmal so nahe kommen zu dürfen – im Gespräch mit den Angehörigen, wenn wir die Trauerfeier schreiben, wenn wir den Lebenslauf verfolgen. Für ein paar Tage ist der Verstorbene Gast in unserem Haus, lebt seine Geschichte noch einmal auf. Das ist eine intensive Zeit, von der immer auch etwas zurückbleibt.

Auch im neuen Jahr gibt es einiges zu tun. So ist 2019 etwa ein Jubiläumsjahr. Unsere Kirche wird 225 Jahre alt. Deshalb wollen wir Euch in den Orten unserer Kirchgemeinde besuchen, um Euch einzuladen. Denn im August feiern wir bei Kirche und Pfarrhaus ein grosses Fest. Darauf freuen wir uns riesig!

Ausserdem arbeiten wir daran, unsere Kirchgemeinde fit für die Zukunft zu machen. Es ist kein Geheimnis, dass die reformierte Kirche mit Austritten zu kämpfen hat. Das ist bei uns nicht anders. Die Art, wie Menschen Glauben leben, verändert sich. Und das ist in Ordnung. Auch wir setzen uns für einen vielfältigen, farbigen Glauben ein. Gleichwohl wird die Kirche ihre wichtigen sozialen Aufgaben nur noch mit Mühe erfüllen können, wenn kaum noch jemand gewillt ist, diese Arbeit zu unterstützen.

Der Glaube wird in unseren Tagen gerne belächelt. Das bereitet uns Sorge, denn damit zerfällt auch das Wissen um unsere christliche Identität. Aber gerade in einer globalisierten Zeit, in der Religionen und Kulturen nah zusammenrücken, sollten wir Auskunft darüber geben können, was uns ausmacht und was uns wichtig ist. Dafür setzen wir uns auch mit Leidenschaft 2019 ein.

Keine Frage, das Jahr 2018 hat uns geschüttelt und gerührt. Nichtsdestotrotz war es ein besonderes Jahr, in dem wir enorm wachsen durften. Das ist vor allem den vielen positiven Begegnungen und Gesprächen zu verdanken, den hilfreichen Feedbacks und den helfenden Händen. Danke für Eure Geduld, Euer Engagement und Euren Glauben – auch den an uns. Danke, dass Ihr uns in unserem ersten Jahr so herzlich aufgenommen habt. Wir freuen uns darauf, auch 2019 mit Euch Kirche zu sein.

Rütschet guet und bhüet Nech Gott! – Euer Pfarrteam Krauchthal

2 Gedanken zu “2018 – Geschüttelt und gerührt

  1. Liebe Tobias und Jasmin, danke fuer Euren Brief mit guten Wuenschen und dem Einblick in Euer erstes Jahr in Krauchthal.
    Ich wuensche Euch ein gutes zweites Jahr. Moege Vieles und Neues gelingen, moeget Ihr nicht erdrueckt werden von Erwartungen und Bureaukratie. Moege die grossen Residenz, das neue Heim ein beilebter Ort fuer viele und fuer Euch ein Ort zum Auftanken und sich zurueckziehen werden. Aus der Suedsee ganz herzlich alles Gute und Gottes Segen!
    Christine

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