Menschlicher Advent

Besonders in der Adventszeit schalmeit mir fröhlich überall das «Christliche» entgegen. Gerade so, als wäre das irgendein Gütesiegel, das unsere ganze Hirnleistung auf Eis legt. Wenn christlich draufsteht, muss was Gutes drin sein. Da braucht es keine kritische Betrachtung mehr. Da wird die gute alte Bibel genauso widerspruchslos – und darum im eigentlichen Sinne unbiblisch – heruntergeschluckt wie jede andere verkappte religiöse Meinung, die ein vermeintlich frommer Geist im Mäntlein göttlicher Inspiration hingedreht hat.

Wenn dann noch der Wille Gottes dazu kommt, den einige – und darum beneide ich sie schier – offenbar ganz klar kennen, schalmeit es jeweils bei mir unerhört. Der göttliche Wille und das Prädikat «christlich» sind sehr grosse Worte für so kleine Geschöpfe wie unsereins.

Oft erlebe ich hinter solchen Prädikaten kaum Nächstenliebe und bedingungslose Annahme, sondern das paragraphenversessene Durchzwängen von dem, was man selbst Gott nennen will oder von Kindesbeinen an als solchen eingetrichtert bekommen hat. Oft spüre ich hinter solchen Prädikaten auch Härte und Verletzungen.

Ich selbst erlebe Gott am ehesten dort, wo es vor allem menschlich zu und her geht. Fernab aller Liturgie und Tradition. Vielleicht mehr bodenständig als heilig, eher fehlerhaft und weniger fromm. Vielleicht eher lebendig und rau als andächtig und nett, eher widersprüchlich und chaotisch als rein und regelkonform.

Es ist die Menschlichkeit, die uns fehlt. Für sie braucht es mehr Mut als jedes fromme Gewäsch und jede bibeltreue Wortklauberei, hinter denen wir uns verstecken und schützen. Wenn wir uns als Menschen zu erkennen geben, machen wir uns verletzlich.

Für die Adventszeit wünsche ich uns darum den Mut, einfach mal Mensch zu sein. Das Göttliche wird schon von selbst kommen. Als Mensch.

2 Gedanken zu “Menschlicher Advent

  1. Herzlichen Dank für diese Gedanken! Weihnachten: Gott wird Mensch…da liegt ein Baby in einer Krippe…klein, hilfsbedürftig, eher ärmlich…kurz darauf sind sie Flüchtlinge! – ER kommt in all diese Lebensumschtände hinein. – Ich bin eingeladen echt menschlich und mitmenschlich zu leben…darum liebe ich Weihnachtsfeiern: ER lebt und ist der grösste Menschenfreund!

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