Wir sind Berührte

Berührungen fehlen.

Sie sind für unser Leben so wichtig

wie die Luft zum Atmen

oder das Wasser zum Trinken.

Ein fester Händedruck.

Oder sanfte Hände, die Tränen wegwischen.

Arme, die umschliessen, wärmen und schützen.

Eine Schulter zum Anlehnen und Ausweinen.

Ein starker Arm, der stützt und leitet.

Berührungen sind das tägliche Brot unserer Seele.

Und nun, Hungern und Dürsten nach Berührung.

Eine unfreiwillige Fastenzeit.

Wir fasten Nähe, weit über Ostern hinaus.

Dabei täte genau diese Nähe jetzt so gut.

Es bräuchte nicht viel, nur ein kleiner Fingerzeig.

Der Glaube hat es derzeit schwer, sagen einige.

Die Kirchen sind leer, die Gottesdienste fallen aus.

Wie soll Gottes Wort uns noch erreichen?

Wie kann es uns auf Distanz noch berühren?

Der Glaube ist doch Berührung!

Was sonst?

Fing es nicht mit einer Berührung an?

Damals bei der Schöpfung.

Gott berührt Adam, den ersten Menschen.

Mit dem Wort.

Eine Berührung setzt neues in Gang.

Lässt nicht auch Gott sich berühren?

Etwa von Noah – nach der Flut.

Noah besänftigt den zornigen Gott mit einem Opfer.

Und Gottes Herz wird wieder weich.

Aus der Berührung wird ein Bund.

Mensch und Gott auf Augenhöhe. Schulter an Schulter.

Geht es nicht mit Berührung weiter?

Damals, als Gott mit starkem Arm die Hebräer aus Ägypten befreit.

All ihre Schicksale werden durch Gottes Tat berührt – und dadurch verändert.

Mit Berührung wir Glaube weitergegeben.

Nicht allein Wissen, sondern ebenso Gefühl,

Sinn nicht weniger als Sinneserlebnisse.

Wer berührt wird, bleibt nicht derselbe.

Wer von Gott berührt wird, wird ein anderer.

Das weiss auch Maria.

Als die Hirten berichten, was Engel über ihren neugeborenen Sohn verkünden,

bewegt sie diese Worte in ihrem Herzen. Sie ist berührt.

Genauso wie unzählige von Jesus berührt werden.

Er hat weiss Gott keine Berührungsängste.

Aber Fingerspitzengefühl. Ein Gespür für die Nöte der Menschen.

Ihre Schicksale bewegt er in seinem Herzen. Sie berühren ihn.

Und er berührt sie. Bis heute.

Anders als damals haben wir Jesus nie berührt.

Kein fester Händedruck.

Keine sanften Hände, die Tränen wegwischen. Die heilen.

Keine Arme, die uns umschliessen, wärmen und schützen.

Keine Schulter zum Anlehen und Ausweinen.

Kein starker Arm, der stützt und leitet.

Nichts davon.

Und doch sind wir Berührte.

Die Botschaft von Jesus Christus lässt uns nicht kalt.

Dass uns die Gemeinschaft im Namen Christi fehlt,

zeigt, wie nah sie uns geht.

Wir bewegen sie in unserem Herzen.

Sie lässt uns nicht unberührt zurück.

Auch jetzt nicht. Gerade jetzt nicht.

Glaube berührt.

Und Berührung ist mehr als ein fester Händedruck.

Sie umfasst weitaus mehr als ausgebreitete Arme es je könnten.

Sie ist stärker als jeder starke Arm.

Echte Berührung berührt die Seele, bewegt das Herz.

Nicht allein die sinnliche Berührung zählt,

sondern viel mehr die sinn-volle Berührung dahinter.

Der gute Wille. Die Liebe. Die Hingabe.

Der Trost. Das Erbarmen. Die Rücksicht.

Die gute Tat.

Das alles ist auch mit etwas Abstand möglich

Davon erleben wir derzeit tausende und tausende von Zeugnissen.

Zeugnisse, die bewegen, begeistern und hoffen lassen.

Zeugnisse, die berühren.

Auch jetzt. Gerade jetzt.

Wir sind Berührte.

(Foto von Rémi Walle auf Unsplash)